Der Verein Deutsche Sprache in Sachsen-Anhalt
Die regionalen Seiten für Sprachpflege, Sprachbewusstsein und Sprachentwicklung

Deutsche Sprachtage 2019 vom 27. bis 29. Juni in Halle (Saale)

„Sprache und Bildung im Wandel der Zeit“

Freunde der deutschen Sprache aus aller Welt bei uns zu Gast | Foto: Sandor Kulman

Unter dem Motto „Sprache und Bildung im Wandel der Zeit“ veranstaltet der Verein Deutsche Sprache (VDS) e. V. vom 27. bis 30 Juni die Deutschen Sprachtage 2019 in Halle (Saale). Darin eingebettet ist die VDS-Bundesdelegiertenkonferenz, die nach Merseburg (2011) und Lutherstadt Wittenberg (2015) bereits zum dritten Mal in Sachsen-Anhalt stattfindet. Erwartet werden Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sowie Sprachfreunde, Deutschlehrer und Germanisten aus dem Ausland.

Über Jahrhunderte ähneln sich die Debatten: Von Martin Luther (1483 – 1546), über Ludwig I., Fürst von Anhalt-Köthen (1579 – 1650), und August Hermann Francke (1663 – 1727) wird bis heute kontrovers über sprach- und bildungspolitische Inhalte diskutiert. Die Deutschen Sprachtage 2019 wollen den VDS-Mitgliedern, Delegierten und Gästen den Wandel von Sprache und Bildung der vergangenen 400 Jahre an geschichtsträchtigen Orten im Süden Sachsen-Anhalts verdeutlichen.

Ein umfangreiches Begleitprogramm ermöglicht den Delegierten und Gästen, sich am 27. und 28. Juni über das Wirken der Fruchtbringenden Gesellschaft in der „Erlebniswelt Deutsche Sprache“ im Köthener Schloss und über das Schaffen von Johann Wolfgang von Goethe in Bad Lauchstädt zu informieren. Führungen durch die Franckeschen Stiftungen zu Halle geben Einblicke in den Bildungskosmos der Schulstadt.

Fotos: Jörg Bönisch

Zur feierlichen Eröffnung der Deutschen Sprachtage 2019 werden Marco Tullner, Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, und Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), am 28. Juni um 18 Uhr im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen zu Halle Grußworte an die Gäste richten. Prof. Helmut Obst, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen, hält einen Festvortrag. Der 1116 gegründete Stadtsingechor zu Halle gibt der Veranstaltung unter der Leitung von Clemens Flämig den musikalischen Rahmen.

Bereits in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts gab Luther dem „christlichen Adel deutscher Nation“ und den „Ratsherrn aller Städte deutschen Landes“ in seinen Schriften wichtige Impulse für eine Reform des Bildungswesens. Francke griff diese Gedanken auf. Ein wesentlicher Teil seines gesamtreformatorischen Wirkens bestand im Bildungswesen. 1689 gründete er als pietistisches Sozial- und Bildungswerk die Franckeschen Stiftungen zu Halle, welche seit Herbst 2016 auch Mitglied im VDS sind.

Die Fruchtbringende Gesellschaft, die erste deutsche Sprachakademie, entstand 1617 in Weimar und wurde von Ludwig I., Fürst von Anhalt-Köthen, zur Pflege der deutschen Sprache ins Leben gerufen. Ein Jahr später brachte er den Pädagogen Wolfgang Ratke (1571 – 1635) nach Köthen, um das Schulwesen zu reformieren. Eigens zur Herstellung neuartiger Schulbücher wurde eine fürstliche Druckerei und damit der erste deutsche Schulbuchverlag gegründet. 

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) ließ in Bad Lauchstädt 1802 ein Sommertheater errichten. Im einzigen noch erhaltenen Theatergebäude seines Wirkens wird mit zahlreichen Veranstaltungen bis heute Theatergeschichte geschrieben. Höhepunkt ist das alljährlich von Kammersängerin und VDS-Mitglied Prof. Edda Moser (geb. 1938) im Goethe-Theater veranstaltete „Festspiel der deutschen Sprache“. Dort werden literarische Werke gelesen, um dem Publikum die Feinheit, Reichhaltigkeit und Ausdrucksstärke der deutschen Sprache näherzubringen. 

Fotos: Jörg Bönisch