Duden – Ein Leben (nicht nur) für den DUDEN

Im thüringischen Schleiz halten „dudenker“ sein Andenken in Ehren

Konrad Duden wurde vor 190 Jahren in eine Zeit hineingeboren, die von rasanten technischen Entwicklungen und wechselvollen politischen Umbrüchen geprägt war. Er erblickte am 3. Januar 1829 bei Wesel das Licht der Welt. Nach einem bewegten Leben als Lehrer, Erzieher, Wissenschaftler, Rechtschreibreformer und Humanist, verstarb Dr. Konrad Duden am 1. August 1911 in Wiesbaden-Sonnenberg. Auch wenn die heutige Rechtschreibung nur sehr bedingt Dudens Vorstellungen von einer einfachen und zweckmäßigen Orthografie entspricht, war er der Wegbereiter für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung. Das konnte Duden nur zustande bringen, weil er sich immer wieder kompromissbereit zeigte, dabei seine Ideale nicht aus den Augen verlor, ihnen aber nicht blindlings folgte.

Die Duden-Statue in Schleiz steht seit Juni 2018 vor dem Museum Rutheneum

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Orthografie des Deutschen durch Uneinheitlichkeit, Willkür und verwirrende Vielfalt gekennzeichnet. Als Duden 1869 als Direktor an das Schleizer Gymnasium „Rutheneum“ berufen wurde, gab es nicht einmal dort unter der Lehrerschaft einheitliche Bewertungsmaßstäbe. So stellte er „Regeln zur deutschen Rechtschreibung“ auf, welche die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich zogen. Ergänzt um grundlegende Gedanken „Zur Orientierung über die orthographische Frage“ und ein alphabetisches Wörterverzeichnis veröffentlichte Duden 1872 die „Deutsche Rechtschreibung“, die als „Schleizer DUDEN“ in die Geschichte einging. Für seine Rechtschreibregeln war dabei der lebendige Gebrauch von Schrift und Sprache maßgeblich, nicht die gelehrte Diskussion unter Philologen.

Nach sieben Jahren wechselte Duden 1876 als Direktor an das Königliche Gymnasium in Hersfeld. Dort gab er 1880 das „Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“ - den „Ur-DUDEN - heraus. Bis zur 9. Auflage, deren Manuskript Duden kurz vor seinem Tode fertigstellte und die 1915 ihm zu Ehren erstmals mit dem Titel „DUDEN • Rechtschreibung der deutschen Sprache“ erschien, verfolgte er drei Ziele: Er wollte reichsweit eine einheitliche Orthografie schaffen, die vielen komplizierten und unzweckmäßigen Schreibweisen der Wörter vereinheitlichen sowie deren sprachgeschichtliche Herkunft erläutern. Damit sollten die Erkenntnisse der Wortforschung, die in den dicken und vielbändigen Werken der Philologen für Nichtwissenschaftler nahezu unerreichbar waren, breiten Kreisen der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

Die Aufnahme neuer Wörter lag Duden besonders am Herzen: „Neues und zu neuem Leben erwachtes, aus dem Schatten der Mundart in das Licht der Schriftsprache eingetretenes Sprachgut habe ich mit Vorliebe aufgenommen“, schreibt Duden 1909 im Vorwort der 8. Auflage seines Volkswörterbuchs. Mit dieser Tradition hat es die DUDEN-Redaktion, die seit 2009 zur Unternehmensgruppe Cornelsen gehört, 2013 übertrieben: Der DUDEN wurde zum „Sprachpanscher“ gewählt. „Der DUDEN ist zum Einfallstor für überflüssige Wörter aus dem Englischen geworden und liefert die beste Begründung dafür, auf Deutsch zu verzichten“, heißt es in der Begründung. Das schmälert natürlich die Verdienste Konrad Dudens in keinster Weise. Dessen Andenken wird von der Arbeitsgruppe „dudenker“ des Geschichts- und Heimat-Vereins zu Schleiz in Ehren gehalten. Sie betreiben seit 2018 im Rutheneum ein Museum zu Dudens Leben und Wirken.

 Weitere Informationen zum Duden-Museum unter: www.rutheneum-schleiz.de

Text und Fotos: Jörg Bönisch