Haushohe Sprachpflege in Halle 

Mit der Gestaltung von drei Giebelwänden wird in Halle an der Saale eine ganz besondere Sprachpflege betrieben: In der Kleinen Ulrichstraße sind es Wort-Antiquitäten und am Hallmarkt Redewendungen in hallescher Mundart, die in großen Lettern an den Wänden prangen. Auf dem halleschen Boulevard wurde das Ensemble durch eine Hauswand mit alltäglichen Sprichwörtern ergänzt. 

In der Kleinen Ulrichstraße 12 zieren seit 2017 aus dem Alltagswortschatz verschwundene oder selten gebrauchte Wörter den Giebel eines Antiquitätengeschäfts. So ergänzen die Wort-Antiquitäten sinnvoll die Fassade dieses Wohn- und Geschäftshauses. Das ist kein ‚Kokolores‘ fanden die Inhaber des ‚Krämerladens‘ und mussten nicht lange ‚bezirzt’ werden, um diese ‚Augenweide‘ entstehen zu lassen.  

Vom Hallmarkt aus gut sichtbar, schmückt seit 2018 hallesche Mundart die Stirnseite des Neuen Städtischen Gymnasiums. ‚Was schmust der Lubbert?‘ fragt der Hallenser nach der Uhrzeit. Nichthallenser müssen aber keine ‚Matzblähge‘ (ein dummes Gesicht) machen oder ‚Nich son Flundsch zerren‘ (den Mund verziehen), wenn sich ihnen der Sinn nicht erschließt; Die entsprechenden Erläuterungen finden sich im Kleingedruckten ebenfalls an der Wand. 

Auf dem fußläufigen Weg vom halleschen Hauptbahnhof in die Innenstadt kommt man in der oberen Leipziger Straße an der Häuserwand vorbei, die im Dezember 2019 mit regional gebräuchlichen Sprichwörtern gestaltet wurde. ‚Schönheit liegt im Auge des Betrachters‘ dachten sich wohl die Verantwortlichen, denn sie ‚schmiedeten das Eisen, so lange es heiß ist‘ und ließen flugs den dritten Giebel gestalten.  

Die Idee für diese großflächige Sprachpflege hatte der Förderverein „Pro Halle“. Dieser will die wirtschaftliche, touristische sowie kulturelle Entwicklung unterstützen und verwirklicht das mit originellen Ideen, wie der Fassadengestaltung.

Text und Fotos: Jörg Bönisch