Die ganze Welt spricht Kindergarten – Nur Deutschland nicht 

Ab August in Thüringen gesetzlich erlaubt 

Kindergarten im neuseeländischen Kawakawa Bay in der Nähe von Auckland | Foto: Lutz-Steffen Hering

Selbst am anderen Ende der Welt, im 18.000 Kilometer entfernten Neuseeland, ist der eng mit Friedrich Fröbel (1782–1852) verbundene Begriff ‚Kindergarten‘ in den dortigen Sprachgebrauch eingegangen. Wie auch in schätzungsweise 40 weiteren Ländern. Nur in seinem Ursprungsland wird der ‚Kindergarten‘ durch sprachliche Nachlässigkeit aus dem Alltags- und vor allem aus dem Verwaltungswortschatz verdrängt. Vorschub leistete dem in Westdeutschland die Vorschulreform in den 1970-er Jahren. Seitdem ist im Sprachgebrauch die ‚Kindertagesstätte‘, kurz ‚Kita‘, auf dem Vormarsch. Kannte man in der DDR die Begriffe ‚Kinderkrippe‘ (für Kinder bis zum dritten Lebensjahr) und ‚Kindergarten‘ (ab einem Alter von vier Jahren), breitete sich mit der deutschen Einheit auch im Osten der Republik die ‚Kita‘ sprachlich aus. Es steht zu befürchten, dass mit dem Begriff die humanistische Idee von Kindheit sowie das Grundverständnis des Einklangs von Bildung, Erziehung und Betreuung verloren geht.

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Corona-Virus befällt deutsche Sprache

Foto: Gerd Altmann | pixabay.com

Die anhaltende „Corona-Krise“ zeigt einmal mehr sehr deutlich: Die deutsche Sprache taugt offensichtlich nicht mehr dazu, die moderne Welt in der uns eigenen und verständlichen Landessprache begreiflich zu machen. Stattdessen tönt es landauf, landab seit Wochen aus vollen Rohren: home office, social distancing, lockdown, shutdown, home schooling mit digital learning und blended learning. Doch den meisten ist es wohl egal, welch ein Schindluder da mit der Sprache getrieben wird. Zumal die englisch klingenden Begriffe häufig verwendet werden, ohne zu wissen, was sie bedeuten und wie sie richtig ausgesprochen oder geschrieben werden. Doch es gibt sie, die verantwortungsvollen Sprachfreunde, die sich Galliern gleich gegen das Kauderwelsch wehren. Weiterlesen...

 Magdeburgs Kommunalpolitiker greifen willkürlich ins Sprachgefüge ein

Stadtverwaltung muss gegen amtliche Rechtschreibregeln verstoßen • Mehrheit lehnt sprachliche Bevormundung ab 

Alles gender? | © STCTC - pixabay.com

Nach Hannover und Lübeck soll nun mit Beschluss des Stadtrates auch in Magdeburg die angeblich geschlechtergerechte Sprache eingeführt werden. Das bisher verwendete generische Maskulinum sei „das Ergebnis jahrhundertelanger Benachteiligung von Frauen“, behauptet Nadja Lösch (34) von der Linkspartei unter völliger Missachtung wissenschaftlicher Grundlagen der deutschen Grammatik. Missachtet werden in eklatanter Weise auch Hinweise angesehener Institutionen wie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, des Rates für deutsche Rechtschreibung sowie der Gesellschaft für deutsche Sprache. Ignoriert wird ebenso – und vor allem auf ganz undemokratische Weise – die Meinung von 62 Prozent der Bevölkerung, welche die geschlechterbetonte Verwendung der deutschen Sprache für unwichtig hält.

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Die sogenannte gendergerechte Sprache beruht auf einem Generalirrtum, erzeugt eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde und ist konsequent gar nicht durchzuhalten. Vor allem leistet sie überhaupt keinen Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft oder zur Gleichstellung der Geschlechter. Also appellieren wir an Politiker, Behörden, Firmen, Gewerkschaften, Betriebsräte und Journalisten: Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch. Unterstützen Sie, wie über 75.000 Mitzeichner, mit Ihrer Unterschrift diese Forderung:

Schluss mit dem Gender-Unfug!

Haushohe Sprachpflege in Halle

Dreyhauptschule mit hallescher Mundart | Foto: Jörg Bönisch

Mit der Gestaltung von drei Giebelwänden wird in Halle an der Saale eine ganz besondere Sprachpflege betrieben: In der Kleinen Ulrichstraße sind es Wort-Antiquitäten und am Hallmarkt Redewendungen in hallescher Mundart, die in großen Lettern an den Wänden prangen. Auf dem halleschen Boulevard wurde das Ensemble im Dezember vergangenen Jahres durch eine Hauswand mit alltäglichen Sprichwörtern ergänzt. 

Die Idee für diese großflächige Sprachpflege hatte der Förderverein „Pro Halle“. Dieser will die wirtschaftliche, touristische sowie kulturelle Entwicklung unterstützen und verwirklicht das mit originellen Ideen, wie der Fassadengestaltung.

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Redezeit mit Luthers Arbeiten zur deutschen Sprache 

Referentin Dr. Marianne Schröter | Foto: Jörg Bönisch

Am 13. Januar 2020 lud der Verein WortWerkWittenberg (WWW) zu einer weiteren Veranstaltung aus der Reihe „Redezeit“ nach Lutherstadt Wittenberg in die Leucorea ein. Die Theologin Dr. Marianne Schröter, Geschäftsführerin der Stiftung Leucorea, stellte unter dem Titel „Reformation – Kommunikation – Religion“ Martin Luthers Arbeiten zur deutschen Sprache vor. In seinem festen Glauben wollte Luther die römisch-katholische Kirche re-formieren. Mit dem enormen Aufschwung der Künste und des Kunsthandwerks, sprachschöpferischer Kraft und dem Druck von Büchern, Flugschriften und -blättern wurde die Reformation so auch zu einem prägenden Medienereignis. Luther war sich dieser Möglichkeiten bewusst und machte sie sich zunutze. So schlug die Veranstaltung einen Bogen in die Gegenwart, in der das Internet die Kommunikation und die Gesellschaft ebenso rasant wie grundlegend verändert. 

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Die Veranstaltungsreihe „Redezeit“ wird vom Verein WortWerkWittenberg gemeinsam mit der Stiftung Leucorea und dem Institut für deutsche Sprache und Kultur e. V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ausgerichtet. Organisiert werden die beliebten Diskussionsabende von Prof. (em.) Gerhard Meiser und Prof. Hans-Joachim Solms, Literatur- und Sprachwissenschaftler an der MLU, die den WWW gegründet haben und ihm vorstehen. Dabei sind die Geschicke des WWW eng mit denen des VDS verwoben: Meiser und Solms sind Mitglied im VDS und arbeiten im wissenschaftlichen Beirat des VDS mit.

Alle Veranstaltungen im Überblick: Redezeit 2019-20.pdf

Redezeiten in Wittenberg gehen weiter

Dr. Jörn Weinert

Dr. Jörn Weinerts Erörterungen zum Kulturraum Sachsen-Anhalt läuteten am 14. Oktober 2019 die zweite Runde der Vortrags- und Diskussionsreihe „Redezeit“ ein. Weinert ist Sprachwissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und profunder Kenner der regionalen Sprachgeschichte. So konnte er den Gästen interessante Zusammenhänge zwischen Sprache und Geschichte vermitteln.

Immer am zweiten Montag eines Quartals – Ostern eine Woche später – treffen sich auch 2020 Referenten und interessierte Sprachfreunde in der Leucorea zum Gedankenaustausch über unsere alltägliche Sprache. In der Veranstaltung am 13. Januar stellt Dr. Marianne Schröter Martin Luthers Arbeiten zur deutschen Sprache zur Diskussion. Am 20. April beleuchtet Prof. Hans-Joachim Solms, Germanist an der MLU und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des VDS, (un)moralische Aspekte der Kommunikation in den elektronischen Medien: „#hassrede – Vom Anstand und der Unanständigkeit“. Prof. Walter Krämer, Vorstandsvorsitzender des VDS, erläutert am 13. Juli vor dem Hintergrund der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion 1990 die Zusammenhänge zwischen Sprache und Wirtschaft.

Alle Veranstaltungen im Überblick: Redezeit 2019-20.pdf

Text und Foto: Jörg Bönisch

Ein Fest für die deutsche Sprache

Mit Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ ging das Festspiel der deutschen Sprache am 15. September 2020 zu Ende | Foto: Jörg Bönisch
Edda Moser eröffnete am 13. September 2019 das diesjährige Festspiel der deutschen Sprache | Foto: Jörg Bönisch

Im September war es wieder soweit: VDS-Ehrenmitglied Kammersängerin Prof. Edda Moser lud zum diesjährigen „Festspiel der deutschen Sprache“ in die Goethestadt Bad Lauchstädt ein. Sprachfreunden bot die künstlerische Leiterin, die das Festspiel 2006 in Rudolstadt ins Leben rief, ein reichhaltiges und anspruchsvolles Programm, um der schönen und ausdrucksstarken deutschen Sprache zu huldigen.

So durften sich die Besucher in diesem Jahr auf ein Festkonzert des MDR-Sinfonieorchesters sowie einen Abend mit Lyrik und Balladen aus drei Jahrhunderten, so auch auf Hugo von Hofmannsthals lyrisches Drama „Der Tor und der Tod“, freuen. Am Tag der deutschen Sprache wurde Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ in der von Johann Wolfgang von Goethe 1794 für das Weimarer Hoftheater eingerichteten Fassung mit Texten von Christian August Vulpius und Emanuel Schikaneder aufgeführt. 

„Wir sind gerade dabei, die Kostbarkeit der deutschen Sprache durch Anglizismen, Gleichgültigkeit und Unwissenheit zu verraten und zu vergessen.“

Kammersängerin Professor Edda Moser, Gründerin und künstlerische Leiterin des Festspiels der deutschen Sprache 

24. August: Sachsenspiegeltag in Reppichau

Skulptur Eike von Repgows und Handsiebdrucke mit Motiven aus dem Sachsenspiegel im Vorraum der Reppichauer Dorfkirche | Foto: Jörg Bönisch

Am 24. August 2019 fand in Reppichau der Sachsenspiegeltag statt, bei dem der „Ritterplatz Eike von Repgow“, ein Kinderspielplatz eingeweiht wurde. „Neben den zahlreichen Figurengruppen und Wandmalereien, die sich durch unser ganzes Dorf ziehen, wollen wir nun auch für unsere kleinen Besucher einen eigenen Erlebnis- und Themenbereich schaffen. Auf dem Ritterplatz können Kinder im mittelalterlichen Ambiente spielen. Auch hier haben wir Motive und Darstellungen aus dem Sachsenspiegel integriert und bildlich wiedergegeben. Informationstafeln verweisen auf ritterliche Tugenden und das Leben im Mittelalter, und auch märchenhaft geht es zu“, erläutert Erich Reichert, Vorsitzender des Fördervereins „Eike von Repgow“ e. V. (Quelle: Wochenspiegel/Supersonntag Köthen vom 22.08.2019). 

Weitere Informationen zur Geschichte des Sachsenspiegels und zum Kunstprojekt im Gedenken an Eike von Repgow gibt es unter www.reppichau.de.

REDEZEIT geht im Herbst in die zweite Runde

Der Germanist Dr. Ulrich Wenner von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Foto: Jörg Bönisch

Dr. Ulrich Wenners Vortrag zur „Mundartlandschaft Wittenberg“ setzte am 8. Juli 2019 den Schlusspunkt hinter die erste Serie der Reihe REDEZEIT. Wenner, Germanist an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren wissenschaftlich mit dem Mundartwortschatz des nördlichen (niederdeutschen) und mittleren (mitteldeutschen) Teils Sachsen-Anhalts. So konnte er den Gästen die Bedeutung, Lautung und sprachgeografische Verteilung des Alltagswortschatzes mit großer Sachkenntnis erläutern.

Da sich die Veranstaltungsreihe bisher großer Beliebtheit erfreute, geht sie im Herbst in die zweite Runde. 

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Arne-Grit Gerold für ehrenamtliches Engagement geehrt

Marc-Alexander Glunde, Arne-Grit Gerold und Dr. Reiner Pogarell (v.l.n.r.) | Foto: Jörg Bönisch

Am 29. Juni 2019 wurde  Arne-Grit Gerolds langjähriges Engagement als Leiterin der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt im Verein Deutsche Sprache (VDS) mit dem Gerhard-Junker-Preis gewürdigt. Die Ehrung nahmen Marc-Alexander Glunde und Dr. Reiner Pogarell, beide VDS-Vorstandsmitglieder, im Rahmen der Deutschen Sprachtage 2019 in Halle (Saale) auf der Delegiertenversammlung in der Händelhalle vor. Drei wunderbare Delegiertenversammlungen durfte der VDS in dem kleinen Bundesland Sachsen-Anhalt durchführen, eine schöner als die andere. Das ist auch wesentlich das Verdienst der geehrten Sprachfreundin, die mit ihrem Sinn für Schönheit, ihrem Spürsinn für gute Themen immer wieder Akzente setzen konnte, die in anderen VDS Regionen einen Vorbildcharakter haben können. Dazu gehört insbesondere auch ihre Auszeichnungskultur, wie die Preisverleihung an den Backmittelhersteller Kathi“, betonte Dr. Reiner Pogarell, Mitglied im VDS-Vorstand, in seiner Laudatio.

Der Preis erinnert an den Namensgeber Gerhard Junker, ein VDS-Mitglied der ersten Stunde und langjähriger Leiter der Arbeitsgruppe Anglizismen-Index“.

Deutsche Sprachtage 2019 in Halle (Saale)

Unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand

Unter dem Motto „Sprache und Bildung im Wandel der Zeit“ war die Regionalgruppe Sachsen-Anhalt des Vereins Deutsche Sprache (VDS) in diesem Jahr Gastgeber für die Deutschen Sprachtage, die vom 27. bis 30. Juni 2019 in Halle (Saale) stattfanden. Darin eingebettet war die VDS-Bundesdelegiertenversammlung, die nach Merseburg (2011) und Lutherstadt Wittenberg (2015) bereits zum dritten Mal in Sachsen-Anhalt stattfand.

Dr. Reiner Pogarell vom VDS-Vorstand im Gespräch mit Prof. Oddný G. Sverrisdóttir

Über 170 Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum kamen nach Halle (Saale). Darunter auch 18 Sprachfreunde, Deutschlehrer, Sprachwissenschaftler und Germanisten aus 15 Ländern: Aserbaidschan, Belgien, Benin, Dänemark, Frankreich, Ghana, Island, Litauen, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Tschechien, Tunesien und aus der Türkei. Frau Prof. Oddný G. Sverrisdóttir vom Deutschinstitut der Háskóli Íslands (Reykjavík) führte in die isländische Sprache ein und erläuterte eine spannende Begegnung mit einer unbekannten Verwandten. Ein umfangreiches Begleitprogramm ermöglichte den Delegierten und Gästen, sich über das Wirken der Fruchtbringenden Gesellschaft in der „Erlebniswelt Deutsche Sprache“ im Köthener Schloss und über das Schaffen von Johann Wolfgang von Goethe in Bad Lauchstädt zu informieren. Führungen durch die Franckeschen Stiftungen zu Halle gaben Einblicke in den Bildungskosmos der Schulstadt. 

Feierliche Eröffnung im Freylinghausen-Saal

Zur feierlichen Eröffnung der Deutschen Sprachtage richteten Marco Tullner, Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, und Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), am 28. Juni im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen zu Halle Grußworte an die Gäste. Dr. Wiegand war Schirmherr der Deutschen Sprachtage. Prof. Helmut Obst, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen, hielt den Festvortrag. Der 1116 gegründete Stadtsingechor zu Halle, einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands, gab der Veranstaltung unter der Leitung von Clemens Flämig den musikalischen Rahmen. 

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Text und Fotos: Jörg Bönisch

Analphabetismus kein Tabuthema mehr

Foto: Jörg Bönisch

Die 2011 veröffentlichte LEO-Studie der Universität Hamburg brachte erstmals wissenschaftlich fundiert das wahre Ausmaß des Analphabetismus in Deutschland ans Licht. Damals konnten 7,5 Millionen Menschen, mehr als 14 Prozent der Erwerbsfähigen, nicht richtig schreiben und lesen. 58,1 Prozent davon waren deutsche Muttersprachler. Diese Ergebnisse erschütterten nicht nur die Fachwelt, denn bis dahin ging man von 4 Millionen Betroffenen aus. Die Untersuchungen ergaben ebenso, dass über 13 Millionen in Deutschland lebende Erwachsene die Rechtschreibung, wie sie bis zum Ende der Grundschule unterrichtet wird, nicht richtig beherrschen. Die 2018 durchgeführte Folgestudie mit Deutsch sprechenden Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren kam zu dem Ergebnis, dass noch immer 6,2 Millionen Menschen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. 52,6 Prozent davon sind deutsche Muttersprachler. Rund 11 Millionen zeigen weiterhin eine auffällig fehlerhafte Rechtschreibung.

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