#hassrede. Vom Anstand und der Unanständigkeit

Veranstaltungsreihe „Redezeit“ geht in die dritte Saison

Die digitalen Kommunikationsgeräte und -wege bieten zu jeder Zeit und an nahezu jedem Ort vorteilhafte Möglichkeiten, sich mitzuteilen und miteinander im Kontakt zu bleiben. Doch im Schutz der Anonymität ist es auch besonders leicht, herumzupöbeln, zu beleidigen, Lügen zu verbreiten oder gar zu drohen. Auch in der Umgangssprache und in der politischen Auseinandersetzung scheint der Ton rauer zu werden.

Dieser Themen nahm sich die „Redezeit“ am 12. Oktober 2020 in der Leucorea an. Prof. Hans-Joachim Solms, Germanist an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Mitbegründer des Vereins WortWerkWittenberg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Vereins Deutsche Sprache, regte unter der Überschrift „#hassrede. Vom Anstand und der Unanständigkeit“ zur Diskussion an.

Damit ging die Redezeit in die dritte Saison. Weitere Veranstaltungen finden jeweils am zweiten Montag eines Quartals um 18 Uhr in der Stiftung Leucorea in der Lutherstadt Wittenberg statt:

11.01.2021

Deutsch als Wissenschaftssprache. Christian Thomasius und die Universität Halle

12.04.2021

Dem Volk aufs Maul schauen. Politiker und ihre Sprache

12.07.2021

Leichte Sprache

VDS-Sprachtreff in der Marienbibliothek zu Halle

Der für das Frühjahr geplante Besuch der halleschen Marienbibliothek musste Corona bedingt ausfallen. Nun wurde der auf der Mitgliederversammlung im Frühjahr vergangenen Jahres geäußerte Wunsch erneut aufgegriffen und VDS-Mitglieder sowie sprachlich Interessierte konnten am 17. September 2020 bei einer Führung die Marienbibliothek zu Halle an der Saale besichtigen. Dort hatten 20 Interessenten die Möglichkeit, sich ein Bild von der ältesten und größten ununterbrochen öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen evangelischen Kirchenbibliothek in Deutschland machen.

12. September 2020: 20. Tag der deutschen Sprache mit Festvortrag und Kabarett in Schleiz

Das Jubiläum zum 20. Tag der deutschen Sprache beging der Verein Deutsche Sprache (VDS) gemeinsam mit dem Duden-Museum im Rutheneum und mit Unterstützung der Stiftung Deutsche Sprache am 12. September 2020 in der Aula des Staatlichen Gymnasiums „Dr. Konrad Duden“ Schleiz. Oberstudiendirektor a. D. Josef Kraus, langjähriger Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands, hielt einen Festvortrag zum Zusammenwirken von „Sprache und Bildung“. Während der Veranstaltung wurden auch die besten Deutschabiturientinnen am Schleizer Duden-Gymnasium von Josef Kraus und Walter Krämer, dem Vorstandsvorsitzenden des VDS, ausgezeichnet. Abends trat das Dresdner Kabarett „Duale Satire Deutschland“ auf. Im Programm von Ulrich Eißner und Arnd Stephan durften sich die Besucher über die „schadlose Entsorgung von geistigem, geistlosem, zeitgeistlichem oder gar ungeistigem Müll mittels des umweltschonenden Satire-Verfahrens“ (Quelle: www.duale-satire.de) freuen.

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Die Welt spricht Kindergarten - Nur Deutschland nicht

Ab 1. August in Thüringen gesetzlich erlaubt 

Selbst am anderen Ende der Welt, im 18.000 Kilometer entfernten Neuseeland, ist der eng mit Friedrich Fröbel (1782–1852) verbundene Begriff ‚Kindergarten‘ in den dortigen Sprachgebrauch eingegangen. Wie auch in schätzungsweise 40 weiteren Ländern. Nur in seinem Ursprungsland wird der ‚Kindergarten‘ durch sprachliche Nachlässigkeit aus dem Alltags- und vor allem aus dem Verwaltungswortschatz verdrängt. Vorschub leistete dem in Westdeutschland die Vorschulreform in den 1970-er Jahren. Seitdem ist im Sprachgebrauch die ‚Kindertagesstätte‘, kurz ‚Kita‘, auf dem Vormarsch. Kannte man in der DDR die Begriffe ‚Kinderkrippe‘ (für Kinder bis zum dritten Lebensjahr) und ‚Kindergarten‘ (ab einem Alter von vier Jahren), breitete sich mit der deutschen Einheit auch im Osten der Republik die ‚Kita‘ sprachlich aus. Es steht zu befürchten, dass mit dem Begriff die humanistische Idee von Kindheit sowie das Grundverständnis des Einklangs von Bildung, Erziehung und Betreuung verloren geht.

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REDEZEIT mit Walter Krämer am 13. Juli in der Lutherstadt Wittenberg

Am 1. Juli 1990 trat zwischen der BRD und der DDR die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Als offensichtliches Zeichen hielten nun die DDR-Bürger die ersehnte D-Mark in ihren Händen und erwarteten wohl ein Wirtschaftswunder. Wortgewaltig versprach der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in diesem Zusammenhang „blühende Landschaften, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“ Bis dahin prägten zwei gegensätzliche Machtblöcke, Ideologien und Wirtschaftssysteme einen ganz speziellen Sprachgebrauch. Seit der Grenzöffnung werden gesamtdeutsch zunehmend Anglizismen benutzt und wird weniger bewusst mit der eigenen Landessprache umgegangen. Wie die Sprache dabei auch wirtschaftliche Entwicklungen beeinflusst, erläuterte und diskutierte der VDS-Vorsitzende Prof. Walter Krämer in der Wittenberger Leucorea bei der „Redezeit“, einer Veranstaltungsreihe des Vereins WortWerkWittenberg (WWW), organisiert von den WWW-Gründern und -Vorständen Prof. Gerhard Meiser und Prof. Hans-Joachim Solms, Literatur- und Sprachwissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.  

140 Jahre Ur-DUDEN

 Vom Volkswörterbuch zum Standardnachschlagewerk

Seit dem 7. Juli 1880, als die erste Auflage des „Vollständigen Orthographischen Wörterbuchs der deutschen Sprache“ erschien, ist dieses Werk auch 140 Jahre später untrennbar mit einem Namen verbunden: Konrad Duden, dem 1829 geborenen Lehrer, Erzieher, Wissenschaftler, Rechtschreibreformer und Humanisten. Doch der Weg vom früheren Volkswörterbuch zum Standardnachschlagewerk für die deutsche Rechtschreibung war kein einfacher. Wie so oft in der Geschichte, gestaltete er sich langwierig und war von Kompromissen, Rückschlägen sowie politischen Einflüssen geprägt. Selbst die heutige Rechtschreibung entspricht nur sehr bedingt Dudens Vorstellungen von einer einfachen und zweckmäßigen Orthografie. Darum verstummen auch die Kritiker an der Rechtschreibreform von 1996 nicht. Dennoch gehörte Duden zu den Wegbereitern für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung.

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Corona-Virus befällt deutsche Sprache

Die anhaltende „Corona-Krise“ zeigt einmal mehr sehr deutlich: Die deutsche Sprache taugt offensichtlich nicht mehr dazu, die moderne Welt in der uns eigenen und verständlichen Landessprache begreiflich zu machen. Stattdessen tönt es landauf, landab seit Wochen aus vollen Rohren: home office, social distancing, lockdown, shutdown, home schooling mit digital learning und blended learning. Doch den meisten ist es wohl egal, welch ein Schindluder da mit der Sprache getrieben wird. Zumal die englisch klingenden Begriffe häufig verwendet werden, ohne zu wissen, was sie bedeuten und wie sie richtig ausgesprochen oder geschrieben werden. Doch es gibt sie, die verantwortungsvollen Sprachfreunde, die sich Galliern gleich gegen das Kauderwelsch wehren. Weiterlesen...

 Haushohe Sprachpflege in Halle

Mit der Gestaltung von drei Giebelwänden wird in Halle an der Saale eine ganz besondere Sprachpflege betrieben: In der Kleinen Ulrichstraße sind es Wort-Antiquitäten und am Hallmarkt Redewendungen in hallescher Mundart, die in großen Lettern an den Wänden prangen. Auf dem halleschen Boulevard wurde das Ensemble im Dezember vergangenen Jahres durch eine Hauswand mit alltäglichen Sprichwörtern ergänzt. 

Die Idee für diese großflächige Sprachpflege hatte der Förderverein „Pro Halle“. Dieser will die wirtschaftliche, touristische sowie kulturelle Entwicklung unterstützen und verwirklicht das mit originellen Ideen, wie der Fassadengestaltung.

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Arne-Grit Gerold für ehrenamtliches Engagement geehrt

Am 29. Juni 2019 wurde  Arne-Grit Gerolds langjähriges Engagement als Leiterin der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt im Verein Deutsche Sprache (VDS) mit dem Gerhard-Junker-Preis gewürdigt. Die Ehrung nahmen Marc-Alexander Glunde und Dr. Reiner Pogarell, beide VDS-Vorstandsmitglieder, im Rahmen der Deutschen Sprachtage 2019 in Halle (Saale) auf der Delegiertenversammlung in der Händelhalle vor. Drei wunderbare Delegiertenversammlungen durfte der VDS in dem kleinen Bundesland Sachsen-Anhalt durchführen, eine schöner als die andere. Das ist auch wesentlich das Verdienst der geehrten Sprachfreundin, die mit ihrem Sinn für Schönheit, ihrem Spürsinn für gute Themen immer wieder Akzente setzen konnte, die in anderen VDS Regionen einen Vorbildcharakter haben können. Dazu gehört insbesondere auch ihre Auszeichnungskultur, wie die Preisverleihung an den Backmittelhersteller Kathi“, betonte Dr. Reiner Pogarell, Mitglied im VDS-Vorstand, in seiner Laudatio.

Der Preis erinnert an den Namensgeber Gerhard Junker, ein VDS-Mitglied der ersten Stunde und langjähriger Leiter der Arbeitsgruppe Anglizismen-Index“.

Deutsche Sprachtage 2019 in Halle (Saale)

Unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand

Unter dem Motto „Sprache und Bildung im Wandel der Zeit“ war die Regionalgruppe Sachsen-Anhalt des Vereins Deutsche Sprache (VDS) in diesem Jahr Gastgeber für die Deutschen Sprachtage, die vom 27. bis 30. Juni 2019 in Halle (Saale) stattfanden. Darin eingebettet war die VDS-Bundesdelegiertenversammlung, die nach Merseburg (2011) und Lutherstadt Wittenberg (2015) bereits zum dritten Mal in Sachsen-Anhalt stattfand.

Über 170 Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum kamen nach Halle (Saale). Darunter auch 18 Sprachfreunde, Deutschlehrer, Sprachwissenschaftler und Germanisten aus 15 Ländern: Aserbaidschan, Belgien, Benin, Dänemark, Frankreich, Ghana, Island, Litauen, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Tschechien, Tunesien und aus der Türkei. Frau Prof. Oddný G. Sverrisdóttir vom Deutschinstitut der Háskóli Íslands (Reykjavík) führte in die isländische Sprache ein und erläuterte eine spannende Begegnung mit einer unbekannten Verwandten. Ein umfangreiches Begleitprogramm ermöglichte den Delegierten und Gästen, sich über das Wirken der Fruchtbringenden Gesellschaft in der „Erlebniswelt Deutsche Sprache“ im Köthener Schloss und über das Schaffen von Johann Wolfgang von Goethe in Bad Lauchstädt zu informieren. Führungen durch die Franckeschen Stiftungen zu Halle gaben Einblicke in den Bildungskosmos der Schulstadt. 

Zur feierlichen Eröffnung der Deutschen Sprachtage richteten Marco Tullner, Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, und Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), am 28. Juni im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen zu Halle Grußworte an die Gäste. Dr. Wiegand war Schirmherr der Deutschen Sprachtage. Prof. Helmut Obst, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen, hielt den Festvortrag. Der 1116 gegründete Stadtsingechor zu Halle, einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands, gab der Veranstaltung unter der Leitung von Clemens Flämig den musikalischen Rahmen. 

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Text und Fotos: Jörg Bönisch

Analphabetismus kein Tabuthema mehr

Die 2011 veröffentlichte LEO-Studie der Universität Hamburg brachte erstmals wissenschaftlich fundiert das wahre Ausmaß des Analphabetismus in Deutschland ans Licht. Damals konnten 7,5 Millionen Menschen, mehr als 14 Prozent der Erwerbsfähigen, nicht richtig schreiben und lesen. 58,1 Prozent davon waren deutsche Muttersprachler. Diese Ergebnisse erschütterten nicht nur die Fachwelt, denn bis dahin ging man von 4 Millionen Betroffenen aus. Die Untersuchungen ergaben ebenso, dass über 13 Millionen in Deutschland lebende Erwachsene die Rechtschreibung, wie sie bis zum Ende der Grundschule unterrichtet wird, nicht richtig beherrschen. Die 2018 durchgeführte Folgestudie mit Deutsch sprechenden Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren kam zu dem Ergebnis, dass noch immer 6,2 Millionen Menschen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. 52,6 Prozent davon sind deutsche Muttersprachler. Rund 11 Millionen zeigen weiterhin eine auffällig fehlerhafte Rechtschreibung.

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